Einträge von Timo Mittag

Von 77.777€/MWh zu 7.000 MW Unterdeckung … und wieder zurück

Als Reaktion auf steigende Flexibilitätskosten in den kurzfristigen Deutschen Strommärkten wurde 2018 (wiederholt) das sog. Mischpreisverfahren für Regelleistungsauktionen eingeführt. Dieses führte zu einer Subvention des kurzfristigen Strombezugs gegenüber den vorgeschalteten Märkten und einer extremen Suppression der Flexibilitätskosten, so dass der finanzielle Anreiz, sich als BKV netzdienlich zu verhalten, weitestgehend eliminiert wurden. Die katastrophalen Folgen für die Versorgungssicherheit haben wir damals beschrieben.

CO2 braucht einen Preis – aber welchen? Und kann ich mit Karte zahlen?

In jüngster Vergangenheit hört man vermehrt Rufe danach, dass “CO2 einen Preis brauche”. Gemeint ist natürlich die Emission von CO2, die bepreist werden soll. Dies ist daher gerecht und sinnvoll, da mit der Klimaaktivität von CO2 Veränderungen einhergehen, die anderswo im Erwartungswert zu Kosten führen. Als Beispiel sei hier ein geringerer Wert von Agrarflächen aufgrund geringerer Produktivität oder Anpassungskosten bei steigenden Meeresspiegeln oder vermehrten Extremwetterlagen genannt. Da CO2 jedoch bei nahezu allen zivilisatorischen Prozessen (Wärmeerzeugung, Stromerzeugung, Mobilität, Nahrungsmittelanbau, Produktion von Gütern etc.) entsteht, ist es nicht möglich die Emission zum jetzigen Zeitpunkt komplett zu unterbinden. Der Emission einen zusätzlichen Preis zu geben, wodurch der vom Emittenten erzielte Vorteil, der auf Kosten der Allgemeinheit geht, “abgeschöpft” wird, macht also volkswirtschaftlich absolut Sinn. Aber was ist nun ein fairer Preis für CO2 Emissionen und mit welchen Instrumenten kann die Umsetzung am besten gelingen? 

Warum ein ausgeglichener Bilanzkreis wichtiger wird

Lange Zeit war Bilanzkreistreue, also die Maxime, seinen Verbrauch oder Generation exakt mittels Handelsfahrplänen auszugleichen, für viele Bilanzkreisverantwortliche (BKV) und Entscheider von eher untergeordneter Relevanz. Durch liquide und ausreichend effiziente Märkte wurde sichergestellt, dass im Normalfall keine statistische Preisdifferenz zwischen den nacheinandergeschalteten physikalischen Märkten (Weekahead, DayAhead, Intraday und Balancing) entstand – und somit BKV, die keine marktbeherrschende Größe haben in der Regel ökonomisch gut damit fuhren, längerfristige Fahrpläne einzukaufen und keinen besonderen Fokus auf Forecasting und kurzfristiges Balancing zu legen. Hierdurch wurden trotz steigendem Anteil an erneuerbaren Energien am Strommix sinkende Regelenergiekosten verzeichnet und eine sehr gute Bilanzierung des gesamteuropäischen Netzes erreicht.