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Von 77.777€/MWh zu 7.000 MW Unterdeckung … und wieder zurück

Als Reaktion auf steigende Flexibilitätskosten in den kurzfristigen Deutschen Strommärkten wurde 2018 (wiederholt) das sog. Mischpreisverfahren für Regelleistungsauktionen eingeführt. Dieses führte zu einer Subvention des kurzfristigen Strombezugs gegenüber den vorgeschalteten Märkten und einer extremen Suppression der Flexibilitätskosten, so dass der finanzielle Anreiz, sich als BKV netzdienlich zu verhalten, weitestgehend eliminiert wurden. Die katastrophalen Folgen für die Versorgungssicherheit haben wir damals beschrieben.

Warum ein ausgeglichener Bilanzkreis wichtiger wird

Lange Zeit war Bilanzkreistreue, also die Maxime, seinen Verbrauch oder Generation exakt mittels Handelsfahrplänen auszugleichen, für viele Bilanzkreisverantwortliche (BKV) und Entscheider von eher untergeordneter Relevanz. Durch liquide und ausreichend effiziente Märkte wurde sichergestellt, dass im Normalfall keine statistische Preisdifferenz zwischen den nacheinandergeschalteten physikalischen Märkten (Weekahead, DayAhead, Intraday und Balancing) entstand – und somit BKV, die keine marktbeherrschende Größe haben in der Regel ökonomisch gut damit fuhren, längerfristige Fahrpläne einzukaufen und keinen besonderen Fokus auf Forecasting und kurzfristiges Balancing zu legen. Hierdurch wurden trotz steigendem Anteil an erneuerbaren Energien am Strommix sinkende Regelenergiekosten verzeichnet und eine sehr gute Bilanzierung des gesamteuropäischen Netzes erreicht.